Man spricht Deutsh

ein Watchblog zum Umgang der Medien mit der deutschen Sprache

Reutlinger Wochenblatt Nr. 22 vom 2. Juni 2010

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Aus dem schon beiseite gelegten Exemplar des Reutlinger Wochenblatt von letzter Woche springt mir zufällig auf Seite 20 eine Werbung für Schuhe ins Auge:

„Neue Schuhe kauft bei Walter“

Ein interessierter Stammleser dieses Blogs wird hier natürlich sofort aufhorchen und feststellen: Hoppla, da fehlt ja ein kleines Wort – es muss heißen „Neue Schuhe kauft man bei Walter“. Diese Interpretation wird auch unterstützt durch den nachfolgenden Satz in der Anzeige: „denn hier stimmen Auswahl – Preis – Beratung“.

In diesem konkreten Fall ist jedoch die Beschränkung auf die in der Werbebranche übliche Grammatik schlichtweg zu kurz gegriffen. Der humanistisch vorgebildete oder/und in Lyrik und Poesie bewanderte Leser erkennt hier nämlich zweifellos die Verwendung des Imperativ Plural, der zudem noch in einen wunderschönen vierhebigen Jambus gekleidet und nur durch Weglassen des Ausrufezeichens am Schluss etwas versteckt wurde. Folgende Erweiterung verdeutlicht das Gesagte:

„Kauft, Leute, kauft! Neue Schuhe kauft bei Walter!“

Diese sprachlich anspruchsvolle wie ansprechende sowie erfrischend andere Herangehensweise der Firma Walter verdient Lob und Anerkennung, gerade und umso mehr angesichts der bisher hier veröffentlichten Entgleisungen! In diesem Sinne ein aufmunterndes

„Weiter so, ihr tapf’ren Schuster!“

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8. Juni 2010 at 20:59

Veröffentlicht in Satirisches

Welt am Sonntag Nr. 16 vom 18. April 2010

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In der genannten Ausgabe der Welt am Sonntag finden sich auf den Seiten 2, 3, 4, 14, 34 und 88 verschiedene Artikel über den Ausbruch des isländischen Vulkans und dessen Auswirkungen auf Wirtschaft und Leben in Europa.

Der Artikel „Wie es so weit kam“ auf Seite 2 beinhaltet gleich mehrere sprachliche Unstimmigkeiten:

„In Berlin muss den Flugverkehr lediglich für 90 Minuten einstellen.“
„Zwei Drittel aller Flüge sind gestrichen, die Flughäfen in eine knappen dutzend Staaten gesperrt.“
„Volle Zügel, und kaputte“ (eine Absatz-Überschrift)

Hier sollten Autoren, die über eine Aschewolke berichten, sich erstmal selbst Asche aufs Haupt streuen!

Written by fabulieren

19. April 2010 at 18:39

Veröffentlicht in Grammatikalisches, Wortwahl

Süddeutsche Zeitung Nr. 42 vom 20./21. Februar 2010

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Im Artikel „Aus der Affäre gezogen“ auf Seite 11 der genannten Ausgabe berichtet die Süddeutsche Zeitung von der „inszenierten Reue-Veranstaltung“ des Profi-Golfers Tiger Woods. Darin findet sich folgender Satz:

„…mit ein paar Schlägen eines Golfschlägers, die seine wutentbrannte Frau aufs Dach seines eleganten schwarzen Cadillac Eskapade niederprasseln ließ…“

Es ist wohl erwiesen, dass sich Tiger Woods in den letzten Jahren mehrere Ausflüchte (=Eskapaden) aus seinem Eheleben geleistet hat. Natürlich haben die Medien das Recht, sich dazu mehr oder weniger emotional zu äußern. Und wenn dann im Eifer des Gefechts der Süddeutschen Zeitung ein Freud’scher Fehler unterläuft, ist das vielleicht sogar verständlich, zumindest aber amüsant.

Auf jeden Fall hat die Firma Cadillac keine Fahrzeuge mit der Bezeichnung „Eskapade“ im Programm, sondern ihre Fahrzeugpalette von Luxus-SUVs hört auf den Namen „Escalade“.

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21. Februar 2010 at 11:09

Veröffentlicht in Freud'scher Fehler

VDI nachrichten Nr. 6 vom 12.02.2010

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Heute ein Artikel ohne Worte, nur mit einem kleinen Hinweis:

Das Wort heißt „Einspeisegesetz“.

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13. Februar 2010 at 10:48

Veröffentlicht in Sparmaßnahmen

VDI nachrichten Nr. 4 vom 29. Januar 2010

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In der genannten Ausgabe der VDI nachrichten heißt es auf Seite 5 in dem Artikel „Streaming wird das Herunterladen von Musik ablösen“:

„Seine zur Midem erschienene Studie […] weist einen Verlust der Einnahmen allein für amerikanische und europäische Musikunternehmen um 42% – von 25,6 Mrd. € auf 10,8 Mrd. € – aus.“

Hier finden sich gleich mehrere Unstimmigkeiten:

  • Die Formulierung „Rückgang der Einnahmen um 42%“ ist ebenso korrekt wie die Formulierung „Verlust der Einnahmen von 42%“. Der zitierte Ausdruck „Verlust der Einnahmen […] um 42%“ hingegen ist nicht korrekt.
  • Wenn die Einnahmen von 25,6 Mrd. € auf 10,8 Mrd. € zurückgehen, dann ist das nach Adam Riese ein Rückgang um 57,8% (gerundet 58%). Das Niveau der aktuellen Einnahmen (10,8 Mrd. €) entspricht damit 42% der vergangenen Einnahmen (25,6 Mrd. €).

Daraus folgt unmittelbar mein Vorschlag:

„Seine zur Midem erschienene Studie […] weist einen Rückgang der Einnahmen allein für amerikanische und europäische Musikunternehmen um 58% – von 25,6 Mrd. € auf 10,8 Mrd. € – aus.“

Written by fabulieren

31. Januar 2010 at 13:50

Veröffentlicht in Grammatikalisches

Reutlinger Wochenblatt Nr. 4 vom 28. Januar 2010

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Auf Seite 2 der genannten Ausgabe des Reutlinger Wochenblatt findet man im Artikel „Neues Fortbildungsprogramm“ folgenden Satz:

„Für einen gelingenden Übergang zwischen Schule und Beruf ist oft zusätzliche Unterstützung erforderlich.“

Es geht hier um die Schwierigkeiten von Jugendlichen, die bei der Ausbildungsplatzsuche auf sich selbst gestellt sind. Warum hat der Autor des Artikels nicht die wesentlich gängigere Formulierung „gelungenen Übergang“ verwendet? Wollte er ausdrücken, dass der Übergang in der beschriebenen Situation eben noch nicht gelungen, sondern erst „im Gelingen begriffen“ ist, d.h. noch andauert? Wenn ja, dann ist ihm dieser Versuch einer sprachlichen Differenzierung hoch anzurechnen. Trotzdem erscheint das Wort „gelingenden“ hier eher sperrig.

Ich unterstütze den Autor in seiner Absicht und schlage folgende Variante vor:

„Für einen erfolgreichen Übergang zwischen Schule und Beruf ist oft zusätzliche Unterstützung erforderlich.“

Written by fabulieren

31. Januar 2010 at 13:13

Veröffentlicht in Wortwahl

VDI nachrichten Nr. 49 vom 4. Dezember 2009

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Auf Seite 1 der genannten Ausgabe der VDI nachrichten finden sich im Artikel „Automärkte nach wie vor in einem nervösen Zustand“ gleich mehrere Entgleisungen:

„Für das Gesamtjahr wird nun mit einem Absatzvolumen von mehr als 3,8 Mio. PKW erwartet.“
„Weiterhin verfolgten die Hersteller ihre Premiumstrategie, mit der sie in nahezu allen Segmenten vertreten sei.“
„Zu den wichtigsten Maßnahmen zählt Wissmann u.a. ein zielgerichtetes Förderprogramm für Batterien, die Standardisierung der Schnittstelle zwischen Elektrofahrzeug und Infrastruktur.“
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Ohne weitere Erklärungen hier meine Optimierungsvorschläge:

  • „Für das Gesamtjahr wird nun mit einem Absatzvolumen von mehr als 3,8 Mio. PKW gerechnet.“
  • „Weiterhin verfolgten die Hersteller ihre Premiumstrategie, mit der sie in nahezu allen Segmenten vertreten seien.“
  • „Zu den wichtigsten Maßnahmen zählt Wissmann u.a. ein zielgerichtetes Förderprogramm für Batterien sowie die Standardisierung der Schnittstelle zwischen Elektrofahrzeug und Infrastruktur.“

Drei „vermeidbare Fehler“ in einem einzigen Artikel, und dann auch noch auf Seite 1 – Respekt!

Written by fabulieren

5. Dezember 2009 at 12:37

Veröffentlicht in Grammatikalisches, Wortwahl