Man spricht Deutsh

ein Watchblog zum Umgang der Medien mit der deutschen Sprache

Ein Wort in eigener Sache (2)

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Meine Beiträge in diesem Blog werden offensichtlich immer seltener. Dies hat verschiedene Gründe. Zwei davon möchte ich erwähnen:

  • Die sprachlichen „Entgleisungen“ der diversen Printmedien folgen einem gewissen Schema. Zum Glück sind die Journalisten bezogen auf Sprachsünden nicht beliebig kreativ. Somit müsste ich mich regelmäßig wiederholen, wollte ich alle entdeckten Kuriositäten hier bloggen. Das ist aber nicht mein Ziel.
  • Das Feedback auf diesen Weblog war bisher verschwindend gering. Einzelne erfreuliche Rückmeldungen aus meinem privaten Umfeld können nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Diskussion meiner Artikel nicht stattfindet. Das nimmt mir nicht vollständig die Motivation, lässt mich aber doch ein wenig entspannter die Zeitung lesen und nicht bei jeder kleinen Sprachverbiegung den PC anwerfen.

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13. August 2011 at 15:42

Veröffentlicht in ohne Kategorie

VDI nachrichten Nr. 32/33 vom 12. August 2011

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Auf der Titelseite der genannten Ausgabe der VDI nachrichten wird im Artikel „Kippt die Konjunktur ein zweites Mal?“ der Kurssturz der letzten Wochen mit der Finanzkrise von 2007/2008 verglichen. Hier ein Auszug:

„Allerdings hat der Aufschwung in weiten Teilen der Welt womöglich seinen Höhepunkt erreicht. Der Frühindikator für ihre gut 30 Mitgliedsländer sei im Juni den dritten Monat in Folge gesunken, gab die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) am Montag bekannt.“

Der zweite Satz beginnt mit „Der Frühindikator für ihre…“ und löst beim vierten Wort „ihre“ eine Irritation aus: Wessen Mitgliedsländer sind gemeint? Der Leser darf erst den kompletten Teilsatz „Der … gesunken“ lesen, bevor er im zweiten Teilsatz „gab … bekannt“ erfährt, um wen es eigentlich geht (nämlich um die OECD und deren Mitgliedsländer).

Ohne Änderung des Inhalts könnte dieser Absatz auch um einiges flüssiger formuliert werden:

„Allerdings hat der Aufschwung in weiten Teilen der Welt womöglich seinen Höhepunkt erreicht. So gab die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) am Montag bekannt, dass der Frühindikator für ihre gut 30 Mitgliedsländer im Juni den dritten Monat in Folge gesunken sei.“

Das ist zwar immer noch ein zu langer Satz, aber nun treten zumindest die  Informationen in einer sinnvollen Reihenfolge auf.

Written by fabulieren

13. August 2011 at 15:32

Veröffentlicht in Schachtelsätze

Süddeutsche Zeitung Nr. 263 vom 13./14. November 2010

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In der genannten Ausgabe der Süddeutschen findet sich im Feuilleton auf Seite 13 ein Randartikel mit der Überschrift „Ökonomie der Aufmerksamkeit“. Darin wird beschrieben, wie der Onlinehändler Amazon einen Pädophilenratgeber in sein Angebot aufnahm und ihn dann auf massiven öffentlichen Druck hin wieder entfernen musste.

Folgendes Satzkonstrukt habe ich an dieser Stelle schon früher mittels anderer Beispiele beanstandet:

„Amazon dürften durch die Tatsache,
dass via E-Publishing immer mehr Bü-
cher aus obskuren Selbstverlagen in das
Sortiment des Online-Reisen ge-
schwemmt werden, weitere ähnliche Fäl-
le ins Haus stehen.“

Zeile
Den im Randartikel verwendeten Zeilenumbruch habe ich hier nachgebildet. Offensichtlich findet der erste Teilsatz „Amazon dürften…“ erst ganze vier Zeilen weiter unten seine Fortsetzung bzw. seinen Abschluss „…weitere ähnliche Fälle ins Haus stehen“.

Dadurch und durch die Wortstellung  ist zunächst der Dativ des Wortes „Amazon“ nur mit Verzögerung zu erkennen. Der Leser erwartet anfangs intuitiv die Formulierung „Amazon dürfte …“ (z.B. Probleme haben).
Außerdem ist es durch die umfangreiche Apposition unnötig schwierig geworden, am Ende derselben wieder den Anschluss an den Hauptsatz zu finden.

Davon abgesehen muss es „Online-Riesen“ heißen. Meines Wissens nach bietet Amazon noch keine im Internet buchbaren Ausflüge an (Online-Reisen).

Mein Vorschlag, wie der Satz gefälliger und flüssiger umformuliert werden könnte:

„Amazon dürfte künftig mit weiteren ähnlichen Fällen konfrontiert werden, da via E-Publishing immer mehr Bücher aus obskuren Selbstverlagen in das Sortiment des Online-Riesen geschwemmt werden.“

Written by fabulieren

14. November 2010 at 11:17

Veröffentlicht in Grammatikalisches, Schachtelsätze

Reutlinger GEA Nr. 131 vom 11. Juni 2010

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Der genannten Ausgabe des Reutlinger GEA lag eine Sonderveröffentlichung zum Thema „Fußball-WM 2010“ bei. In dieser Sonderveröffentlichung wird auf Seite 3 über „Löws schwierige Mission“ berichtet. Der Werdegang des Bundestrainers wird geschildert und die Tatsache erwähnt, dass er ein Verfechter höchster Disziplin sei. In diesem Zusammenhang steht folgender Satz:

„Denn an mangelnder Disziplinlosigkeit seiner Spieler scheiterte [Hr. Löw] … bei seinem ersten großen Trainerjob in Stuttgart.“

Bei genauerer Betrachtung des Zitats muss man zwangsläufig das mathematische Prinzip „Minus mal Minus ist Plus“ anwenden, und somit lässt sich der Satz auch wie folgt formulieren:

„Denn an vorhandener Disziplin seiner Spieler scheiterte …“

Und das hat der Autor mit Sicherheit nicht sagen wollen! Er ist einfach nur über’s Ziel hinausgeschossen und hat gleich zwei negative Formulierungen verwendet. Sagen wollte er sicherlich:

„Denn an der Disziplinlosigkeit seiner Spieler scheiterte [Hr. Löw] … bei seinem ersten großen Trainerjob in Stuttgart.“

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16. Juni 2010 at 20:23

Veröffentlicht in Wortwahl

Reutlinger Wochenblatt Nr. 22 vom 2. Juni 2010

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Aus dem schon beiseite gelegten Exemplar des Reutlinger Wochenblatt von letzter Woche springt mir zufällig auf Seite 20 eine Werbung für Schuhe ins Auge:

„Neue Schuhe kauft bei Walter“

Ein interessierter Stammleser dieses Blogs wird hier natürlich sofort aufhorchen und feststellen: Hoppla, da fehlt ja ein kleines Wort – es muss heißen „Neue Schuhe kauft man bei Walter“. Diese Interpretation wird auch unterstützt durch den nachfolgenden Satz in der Anzeige: „denn hier stimmen Auswahl – Preis – Beratung“.

In diesem konkreten Fall ist jedoch die Beschränkung auf die in der Werbebranche übliche Grammatik schlichtweg zu kurz gegriffen. Der humanistisch vorgebildete oder/und in Lyrik und Poesie bewanderte Leser erkennt hier nämlich zweifellos die Verwendung des Imperativ Plural, der zudem noch in einen wunderschönen vierhebigen Jambus gekleidet und nur durch Weglassen des Ausrufezeichens am Schluss etwas versteckt wurde. Folgende Erweiterung verdeutlicht das Gesagte:

„Kauft, Leute, kauft! Neue Schuhe kauft bei Walter!“

Diese sprachlich anspruchsvolle wie ansprechende sowie erfrischend andere Herangehensweise der Firma Walter verdient Lob und Anerkennung, gerade und umso mehr angesichts der bisher hier veröffentlichten Entgleisungen! In diesem Sinne ein aufmunterndes

„Weiter so, ihr tapf’ren Schuster!“

Written by fabulieren

8. Juni 2010 at 20:59

Veröffentlicht in Satirisches

Welt am Sonntag Nr. 16 vom 18. April 2010

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In der genannten Ausgabe der Welt am Sonntag finden sich auf den Seiten 2, 3, 4, 14, 34 und 88 verschiedene Artikel über den Ausbruch des isländischen Vulkans und dessen Auswirkungen auf Wirtschaft und Leben in Europa.

Der Artikel „Wie es so weit kam“ auf Seite 2 beinhaltet gleich mehrere sprachliche Unstimmigkeiten:

„In Berlin muss den Flugverkehr lediglich für 90 Minuten einstellen.“
„Zwei Drittel aller Flüge sind gestrichen, die Flughäfen in eine knappen dutzend Staaten gesperrt.“
„Volle Zügel, und kaputte“ (eine Absatz-Überschrift)

Hier sollten Autoren, die über eine Aschewolke berichten, sich erstmal selbst Asche aufs Haupt streuen!

Written by fabulieren

19. April 2010 at 18:39

Veröffentlicht in Grammatikalisches, Wortwahl

Süddeutsche Zeitung Nr. 42 vom 20./21. Februar 2010

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Im Artikel „Aus der Affäre gezogen“ auf Seite 11 der genannten Ausgabe berichtet die Süddeutsche Zeitung von der „inszenierten Reue-Veranstaltung“ des Profi-Golfers Tiger Woods. Darin findet sich folgender Satz:

„…mit ein paar Schlägen eines Golfschlägers, die seine wutentbrannte Frau aufs Dach seines eleganten schwarzen Cadillac Eskapade niederprasseln ließ…“

Es ist wohl erwiesen, dass sich Tiger Woods in den letzten Jahren mehrere Ausflüchte (=Eskapaden) aus seinem Eheleben geleistet hat. Natürlich haben die Medien das Recht, sich dazu mehr oder weniger emotional zu äußern. Und wenn dann im Eifer des Gefechts der Süddeutschen Zeitung ein Freud’scher Fehler unterläuft, ist das vielleicht sogar verständlich, zumindest aber amüsant.

Auf jeden Fall hat die Firma Cadillac keine Fahrzeuge mit der Bezeichnung „Eskapade“ im Programm, sondern ihre Fahrzeugpalette von Luxus-SUVs hört auf den Namen „Escalade“.

Written by fabulieren

21. Februar 2010 at 11:09

Veröffentlicht in Freud'scher Fehler

VDI nachrichten Nr. 6 vom 12.02.2010

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Heute ein Artikel ohne Worte, nur mit einem kleinen Hinweis:

Das Wort heißt „Einspeisegesetz“.

Written by fabulieren

13. Februar 2010 at 10:48

Veröffentlicht in Sparmaßnahmen

VDI nachrichten Nr. 4 vom 29. Januar 2010

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In der genannten Ausgabe der VDI nachrichten heißt es auf Seite 5 in dem Artikel „Streaming wird das Herunterladen von Musik ablösen“:

„Seine zur Midem erschienene Studie […] weist einen Verlust der Einnahmen allein für amerikanische und europäische Musikunternehmen um 42% – von 25,6 Mrd. € auf 10,8 Mrd. € – aus.“

Hier finden sich gleich mehrere Unstimmigkeiten:

  • Die Formulierung „Rückgang der Einnahmen um 42%“ ist ebenso korrekt wie die Formulierung „Verlust der Einnahmen von 42%“. Der zitierte Ausdruck „Verlust der Einnahmen […] um 42%“ hingegen ist nicht korrekt.
  • Wenn die Einnahmen von 25,6 Mrd. € auf 10,8 Mrd. € zurückgehen, dann ist das nach Adam Riese ein Rückgang um 57,8% (gerundet 58%). Das Niveau der aktuellen Einnahmen (10,8 Mrd. €) entspricht damit 42% der vergangenen Einnahmen (25,6 Mrd. €).

Daraus folgt unmittelbar mein Vorschlag:

„Seine zur Midem erschienene Studie […] weist einen Rückgang der Einnahmen allein für amerikanische und europäische Musikunternehmen um 58% – von 25,6 Mrd. € auf 10,8 Mrd. € – aus.“

Written by fabulieren

31. Januar 2010 at 13:50

Veröffentlicht in Grammatikalisches

Reutlinger Wochenblatt Nr. 4 vom 28. Januar 2010

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Auf Seite 2 der genannten Ausgabe des Reutlinger Wochenblatt findet man im Artikel „Neues Fortbildungsprogramm“ folgenden Satz:

„Für einen gelingenden Übergang zwischen Schule und Beruf ist oft zusätzliche Unterstützung erforderlich.“

Es geht hier um die Schwierigkeiten von Jugendlichen, die bei der Ausbildungsplatzsuche auf sich selbst gestellt sind. Warum hat der Autor des Artikels nicht die wesentlich gängigere Formulierung „gelungenen Übergang“ verwendet? Wollte er ausdrücken, dass der Übergang in der beschriebenen Situation eben noch nicht gelungen, sondern erst „im Gelingen begriffen“ ist, d.h. noch andauert? Wenn ja, dann ist ihm dieser Versuch einer sprachlichen Differenzierung hoch anzurechnen. Trotzdem erscheint das Wort „gelingenden“ hier eher sperrig.

Ich unterstütze den Autor in seiner Absicht und schlage folgende Variante vor:

„Für einen erfolgreichen Übergang zwischen Schule und Beruf ist oft zusätzliche Unterstützung erforderlich.“

Written by fabulieren

31. Januar 2010 at 13:13

Veröffentlicht in Wortwahl