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WELT am SONNTAG Nr. 33 vom 16. August 2015

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Der Artikel „Stellungskrieg um das Internet“  der genannten Ausgabe der WELT am SONNTAG (Rubrik Wissen, Seite 56) befasst sich mit dem freien Fluss von Informationen im Netz und den verschiedenen Arten der Einflussnahme auf diese Art der Netzfreiheit durch Unternehmen und autokratische Regierungen.

In dem folgenden Zitat wird begründet, warum die Internettauschbörse Napster (aktiv um die Jahrtausendwende herum) so erfolgreich war und auch nicht durch die Musikindustrie gestoppt werden konnte:

„…kam dem Versuch gleich, einen Sack Flöhe zu hüten. Weil keine zentrale Quelle mehr verstopft werden konnte für den Datenstrom von Abermillionen Musikdateien, sondern eine einmal ins Netz gebrachte Musikdatei sich praktisch in rasender Geschwindigkeit im Zusammenspiel der Peer-to-Peer-verschalteten Rechner in kurzer Zeit x-mal selbst vervielfachte.“

Dieser zitierte Abschnitt bietet nicht nur auf Grund seiner Länge viele Möglichkeiten zur (konstruktiven) Kritik. Zunächst einmal ist der mit „Weil“ beginnende „Satz“ überhaupt kein korrekter deutscher Satz. Solch ein Satzteil muss von dem Hauptsatz, auf den er sich bezieht, mit Komma abgetrennt werden; er darf nicht alleine stehen. Der Autor hatte den entsprechenden Hauptsatz als eigenständigen Satz vorher niedergeschrieben und mit einem Punkt beendet. Das war sicherlich der lobenswerte Versuch, die Länge des Konstruktes nicht noch weiter ausufern zu lassen. Teilweise erfolgreich war allerdings der Versuch des Autors, die Satzstellung gut lesbar zu gestalten, indem die relevanten Informationen inklusive Tätigkeitswort nahe beieinander stehen. An Stelle der üblichen schlecht lesbaren Satzstellung „Weil keine zentrale Quelle mehr für den Datenstrom … verstopft werden konnte, …“ wählte der Autor eine optimierte Version. Unklar ist jedoch, warum er das im zweiten Teil des „Satzes“ nicht konsequent weiter geführt hat. Hier findet sich das Tätigkeitswort „vervielfachte“ unglücklicherweise erst ganz am Ende eines langen Ausdrucks, weit entfernt von dem zugehörigen Hauptwort „Musikdatei“. Weiterhin ist es eine Überlegung wert, ob die Ausdrücke „in rasender Geschwindigkeit“ und „in kurzer Zeit“ in diesem Zusammenhang (und nur hier) nicht eine nahezu redundante Aussage liefern.

Der Optimierungsvorschlag ist nicht ganz einfach, denn viele verschiedene Informationen müssen grammatikalisch korrekt dicht gepackt und in eine gut lesbare Anordnung gebracht werden. Ich versuche es trotzdem:

„…kam dem Versuch gleich, einen Sack Flöhe zu hüten. Denn es konnte keine zentrale Quelle mehr verstopft werden für den Datenstrom von Abermillionen Musikdateien. Stattdessen vervielfältigte sich eine einmal ins Netz gebrachte Musikdatei in rasender Geschwindigkeit x-mal selbst, ermöglicht durch das Zusammenspiel der Peer-to-Peer-verschalteten Rechner.“

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Written by fabulieren

16. August 2015 um 10:42

Veröffentlicht in Grammatikalisches, Schachtelsätze

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