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Süddeutsche Zeitung Nr. 263 vom 13./14. November 2010

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In der genannten Ausgabe der Süddeutschen findet sich im Feuilleton auf Seite 13 ein Randartikel mit der Überschrift „Ökonomie der Aufmerksamkeit“. Darin wird beschrieben, wie der Onlinehändler Amazon einen Pädophilenratgeber in sein Angebot aufnahm und ihn dann auf massiven öffentlichen Druck hin wieder entfernen musste.

Folgendes Satzkonstrukt habe ich an dieser Stelle schon früher mittels anderer Beispiele beanstandet:

„Amazon dürften durch die Tatsache,
dass via E-Publishing immer mehr Bü-
cher aus obskuren Selbstverlagen in das
Sortiment des Online-Reisen ge-
schwemmt werden, weitere ähnliche Fäl-
le ins Haus stehen.“

Zeile
Den im Randartikel verwendeten Zeilenumbruch habe ich hier nachgebildet. Offensichtlich findet der erste Teilsatz „Amazon dürften…“ erst ganze vier Zeilen weiter unten seine Fortsetzung bzw. seinen Abschluss „…weitere ähnliche Fälle ins Haus stehen“.

Dadurch und durch die Wortstellung  ist zunächst der Dativ des Wortes „Amazon“ nur mit Verzögerung zu erkennen. Der Leser erwartet anfangs intuitiv die Formulierung „Amazon dürfte …“ (z.B. Probleme haben).
Außerdem ist es durch die umfangreiche Apposition unnötig schwierig geworden, am Ende derselben wieder den Anschluss an den Hauptsatz zu finden.

Davon abgesehen muss es „Online-Riesen“ heißen. Meines Wissens nach bietet Amazon noch keine im Internet buchbaren Ausflüge an (Online-Reisen).

Mein Vorschlag, wie der Satz gefälliger und flüssiger umformuliert werden könnte:

„Amazon dürfte künftig mit weiteren ähnlichen Fällen konfrontiert werden, da via E-Publishing immer mehr Bücher aus obskuren Selbstverlagen in das Sortiment des Online-Riesen geschwemmt werden.“

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Written by fabulieren

14. November 2010 at 11:17

Veröffentlicht in Grammatikalisches, Schachtelsätze