Man spricht Deutsh

ein Watchblog zum Umgang der Medien mit der deutschen Sprache

Archive for Juni 2010

Reutlinger GEA Nr. 131 vom 11. Juni 2010

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Der genannten Ausgabe des Reutlinger GEA lag eine Sonderveröffentlichung zum Thema „Fußball-WM 2010“ bei. In dieser Sonderveröffentlichung wird auf Seite 3 über „Löws schwierige Mission“ berichtet. Der Werdegang des Bundestrainers wird geschildert und die Tatsache erwähnt, dass er ein Verfechter höchster Disziplin sei. In diesem Zusammenhang steht folgender Satz:

„Denn an mangelnder Disziplinlosigkeit seiner Spieler scheiterte [Hr. Löw] … bei seinem ersten großen Trainerjob in Stuttgart.“

Bei genauerer Betrachtung des Zitats muss man zwangsläufig das mathematische Prinzip „Minus mal Minus ist Plus“ anwenden, und somit lässt sich der Satz auch wie folgt formulieren:

„Denn an vorhandener Disziplin seiner Spieler scheiterte …“

Und das hat der Autor mit Sicherheit nicht sagen wollen! Er ist einfach nur über’s Ziel hinausgeschossen und hat gleich zwei negative Formulierungen verwendet. Sagen wollte er sicherlich:

„Denn an der Disziplinlosigkeit seiner Spieler scheiterte [Hr. Löw] … bei seinem ersten großen Trainerjob in Stuttgart.“

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Written by fabulieren

16. Juni 2010 at 20:23

Veröffentlicht in Wortwahl

Reutlinger Wochenblatt Nr. 22 vom 2. Juni 2010

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Aus dem schon beiseite gelegten Exemplar des Reutlinger Wochenblatt von letzter Woche springt mir zufällig auf Seite 20 eine Werbung für Schuhe ins Auge:

„Neue Schuhe kauft bei Walter“

Ein interessierter Stammleser dieses Blogs wird hier natürlich sofort aufhorchen und feststellen: Hoppla, da fehlt ja ein kleines Wort – es muss heißen „Neue Schuhe kauft man bei Walter“. Diese Interpretation wird auch unterstützt durch den nachfolgenden Satz in der Anzeige: „denn hier stimmen Auswahl – Preis – Beratung“.

In diesem konkreten Fall ist jedoch die Beschränkung auf die in der Werbebranche übliche Grammatik schlichtweg zu kurz gegriffen. Der humanistisch vorgebildete oder/und in Lyrik und Poesie bewanderte Leser erkennt hier nämlich zweifellos die Verwendung des Imperativ Plural, der zudem noch in einen wunderschönen vierhebigen Jambus gekleidet und nur durch Weglassen des Ausrufezeichens am Schluss etwas versteckt wurde. Folgende Erweiterung verdeutlicht das Gesagte:

„Kauft, Leute, kauft! Neue Schuhe kauft bei Walter!“

Diese sprachlich anspruchsvolle wie ansprechende sowie erfrischend andere Herangehensweise der Firma Walter verdient Lob und Anerkennung, gerade und umso mehr angesichts der bisher hier veröffentlichten Entgleisungen! In diesem Sinne ein aufmunterndes

„Weiter so, ihr tapf’ren Schuster!“

Written by fabulieren

8. Juni 2010 at 20:59

Veröffentlicht in Satirisches