Man spricht Deutsh

ein Watchblog zum Umgang der Medien mit der deutschen Sprache

(nicht nur) Süddeutsche Zeitung Nr. 198 vom 29./30. August 2009

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Auf Seite 1 der genannten Ausgabe der Süddeutsche Zeitung heißt es in dem Artikel „Siemens-Manager bezahlen…“ :

„…darunter die Ex-Konzernchefs Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld. Von Pierer will der Technologiekonzern sechs Millionen Euro fordern, andere sollen weniger zahlen, aber ebenfalls Millionenbeträge überweisen. Pierer ist der prominenteste Topmanager…“

Nach der Erwähnung von Ex-Konzernchef Heinrich von Pierer hatte ich im darauf folgenden Satz die Formulierung erwartet, dass der Technologiekonzern „von von Pierer“ (also von Herrn Heinrich von Pierer) Geld fordert. Die hier zitierte Fassung „Von Pierer will …“ führt einen zunächst auf den Gedanken „Was will er denn?“ und lässt den weiteren Satzverlauf etwas irritierend wirken.

Am 11. August 1919 wurden in Deutschland mit der Weimarer Verfassung die Vorrechte des Adels abgeschafft. Die ehemaligen Adelsprädikate (unter anderem auch „von“) sind dadurch nach dem bürgerlichem Recht Bestandteil des Familiennamens geworden. (In Österreich hingegen ist es seit 1919 verboten, das „von“ und Adelstitel im Namen zu führen). Damit gehört das „von“ zum „Pierer“, auch wenn der Vorname oder die Anrede weggelassen werden. Also z.B. „Schmidt sagt … , von Pierer erwidert …“ . Die Süddeutsche nennt den Ex-Konzernchef im folgenden Satz aber einfach nur „Pierer“ und lässt damit konsequent das „von“ zusammen mit dem Vornamen weg.

Nicht nur die Süddeutsche, sondern auch viele andere Zeitungen und Magazine (WELT, Handelsblatt, Spiegel, Manager-Magazin, …) gehen recht freizügig mit dem Adelsprädikat des Ex-Konzernchefs um. Zum Teil werden sogar verschiedene Varianten in ein und demselben Artikel verwendet. Eine kurze Internetrecherche ergab folgende gängige Varianten:

  • Heinrich von Pierer
  • Von Pierer
  • Pierer
  • Heinrich Pierer

In diesem Zusammenhang interessant ist zum einen die österreichische Herkunft der Familie Pierer, zum anderen die Diskussion über die Rechtmäßigkeit des Adelsprädikats „von“ in dieser Familie. Das Thema wird dargestellt in einem Artikel der WELT, siehe hier.

Ich habe keine Meinung zu dieser Diskussion und will mich auch nicht daran beteiligen. Sie erklärt möglicherweise die vielen unterschiedlichen verwendeten Namensvarianten des Ex-Konzernchefs.

Unabhängig davon schlage ich als optimierte Version des zitierten Satzes vor:
„Der Technologiekonzern will von Heinrich von Pierer sechs Millionen Euro fordern, andere sollen …“

Written by fabulieren

29. August 2009 um 23:38

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