Man spricht Deutsh

ein Watchblog zum Umgang der Medien mit der deutschen Sprache

Archive for August 2009

VDI nachrichten Nr. 35 vom 28. August 2009

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In der genannten Ausgabe der VDI nachrichten heißt es auf Seite 10 in der Spalte „neue Bücher“ unter „Cityboy“:

„22 Monate war seine Identität eines der bestgehü-testen Geheimnisse der Londoner City.“

Das Thema ist der Superlativ bei zusammengesetzten Adjektiven wie z.B. naheliegend, hochwertig etc. Um sie  in den Komparativ oder den Superlativ zu setzen, steigert man entweder den ersten oder den zweiten Teil des Adjektives, niemals beide. „Höherwertig“ und „hochwertiger“ sind als Komparativ beide erlaubt, „höchstwertigst“ als Superlativ dagegen nicht, wenngleich man solche und ähnliche Konstrukte im mündlichen Sprachgebrauch häufig antrifft (Lieblingswort eines meiner Vorgesetzten ist z.B. „schnellstmöglichst“).  Bei „naheliegend“ lässt sich nur der erste Teil steigern; der Superlativ heißt dementsprechend „nächstliegend“, „naheliegendst“ ist nicht korrekt, obwohl man auch diesen Ausdruck im mündlichen Sprachgebrauch antrifft.

Im zitierten Satz ist man sich nicht ganz sicher, ob der Autor es richtig machen wollte („bestgehüteten“) und sich nur vertippt hat, oder ob er es falsch machen wollte („bestgehütetsten“) und sich dabei vertippt hat.

Korrekt ist in jedem Fall „eines der bestgehü-teten Geheimnisse der Londoner City.“

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Written by fabulieren

31. August 2009 at 20:08

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(nicht nur) Süddeutsche Zeitung Nr. 198 vom 29./30. August 2009

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Auf Seite 1 der genannten Ausgabe der Süddeutsche Zeitung heißt es in dem Artikel „Siemens-Manager bezahlen…“ :

„…darunter die Ex-Konzernchefs Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld. Von Pierer will der Technologiekonzern sechs Millionen Euro fordern, andere sollen weniger zahlen, aber ebenfalls Millionenbeträge überweisen. Pierer ist der prominenteste Topmanager…“

Nach der Erwähnung von Ex-Konzernchef Heinrich von Pierer hatte ich im darauf folgenden Satz die Formulierung erwartet, dass der Technologiekonzern „von von Pierer“ (also von Herrn Heinrich von Pierer) Geld fordert. Die hier zitierte Fassung „Von Pierer will …“ führt einen zunächst auf den Gedanken „Was will er denn?“ und lässt den weiteren Satzverlauf etwas irritierend wirken.

Am 11. August 1919 wurden in Deutschland mit der Weimarer Verfassung die Vorrechte des Adels abgeschafft. Die ehemaligen Adelsprädikate (unter anderem auch „von“) sind dadurch nach dem bürgerlichem Recht Bestandteil des Familiennamens geworden. (In Österreich hingegen ist es seit 1919 verboten, das „von“ und Adelstitel im Namen zu führen). Damit gehört das „von“ zum „Pierer“, auch wenn der Vorname oder die Anrede weggelassen werden. Also z.B. „Schmidt sagt … , von Pierer erwidert …“ . Die Süddeutsche nennt den Ex-Konzernchef im folgenden Satz aber einfach nur „Pierer“ und lässt damit konsequent das „von“ zusammen mit dem Vornamen weg.

Nicht nur die Süddeutsche, sondern auch viele andere Zeitungen und Magazine (WELT, Handelsblatt, Spiegel, Manager-Magazin, …) gehen recht freizügig mit dem Adelsprädikat des Ex-Konzernchefs um. Zum Teil werden sogar verschiedene Varianten in ein und demselben Artikel verwendet. Eine kurze Internetrecherche ergab folgende gängige Varianten:

  • Heinrich von Pierer
  • Von Pierer
  • Pierer
  • Heinrich Pierer

In diesem Zusammenhang interessant ist zum einen die österreichische Herkunft der Familie Pierer, zum anderen die Diskussion über die Rechtmäßigkeit des Adelsprädikats „von“ in dieser Familie. Das Thema wird dargestellt in einem Artikel der WELT, siehe hier.

Ich habe keine Meinung zu dieser Diskussion und will mich auch nicht daran beteiligen. Sie erklärt möglicherweise die vielen unterschiedlichen verwendeten Namensvarianten des Ex-Konzernchefs.

Unabhängig davon schlage ich als optimierte Version des zitierten Satzes vor:
„Der Technologiekonzern will von Heinrich von Pierer sechs Millionen Euro fordern, andere sollen …“

Written by fabulieren

29. August 2009 at 23:38

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Ein Wort in eigener Sache

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Wenn sich jemand die letzten Artikel in diesem weblog durchliest, könnte er/sie zu der Schlussfolgerung gelangen, dass sich der Autor des weblogs auf die VDI nachrichten eingeschossen hat.

Das trifft nicht zu.

In der vergangenen Woche habe ich unter anderem Ausgaben der ZEIT, der FAZ und der WELT gelesen. Die Freude über das korrekte und gut lesbare Deutsch war groß – auch wenn es im Feuilleton der WELT schon manchmal gefährlich blumige Auswüchse annimmt! Auf jeden Fall habe ich keine sprachliche Entgleisung gefunden, die ich hier veröffentlichen und behandeln könnte.

Natürlich gebe ich zu, dass ich aus persönlichem Interesse die VDI nachrichten abonniert habe und jede Ausgabe besonders gründlich lese.

Written by fabulieren

22. August 2009 at 10:04

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VDI nachrichten Nr. 34 vom 21. August 2009

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In der genannten Ausgabe der VDI nachrichten heißt es auf Seite 16 in dem Artikel „Pfiffige Innovationen für den Outdoor-Bereich“ unter „Strom weltweit“:

„Mit den Geräten kann man so alles – von iPods über kleine Spielekonsolen bis zu Handys aufladen.“

Die Konstruktion mit dem Gedankenstrich (sehr ausführlich erklärt bei wikipedia) ist in diesem Satz nicht korrekt.

Das, was alles aufgeladen werden kann, soll offensichtlich mit Beispielen genauer erläutert werden. Dazu kann man eine Apposition verwenden, die man mit zwei Kommata oder zwei Gedankenstrichen in den Hauptsatz einfügt:

„Mit den Geräten kann man so alles – von iPods über kleine Spielekonsolen bis zu Handys aufladen.“

Damit die Lesbarkeit verbessert wird und das Wort „aufladen“ nicht so traurig und alleine am Satzende steht, bietet sich folgende optimierte Variante an:

„Mit den Geräten kann man so alles aufladen – von iPods über kleine Spielekonsolen bis zu Handys.“

Written by fabulieren

22. August 2009 at 09:49

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VDI nachrichten Nr. 33 vom 14. August 2009

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In der genannten Ausgabe der VDI nachrichten heißt es auf Seite 18 in dem Artikel „Starke und schöne Haushaltshelfer“ unter „Kochdünste ade“:

„Die Dunstabzugshaube ist ab Oktober für 3049 € in den Handel.“

Hier haben sich mal wieder zwei mögliche Formulierungen zu einer unmöglichen vereint.
„kommt ab Oktober […] in den Handel“ ist genauso gutes Deutsch wie
„ist ab Oktober […] im Handel erhältlich“.

Nur die zitierte Mixtur aus beiden Varianten sticht arg ins Auge.

Written by fabulieren

15. August 2009 at 11:28

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Reutlinger Wochenblatt Nr. 33 vom 13. August 2009

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Das Reutlinger Wochenblatt kommt einmal wöchentlich kostenlos ins Haus. In der heutigen Ausgabe auf Seite 8 unter der Rubrik „Sport“ gibt es eine schöne Schlagzeile:

„Torsten Marx fährt aufs dem Treppchen“

Herr Marx ist übrigens ein Mountainbike-Rennfahrer aus Hechingen.

Aber wie heißt es nun richtig?

„Auf dem Treppchen“ fahren dürfte schwierig werden, denn da ist wenig Platz (es handelt sich um das Siegerpodest, im Österreichischen auch Stockerl genannt). Und auch im übertragenen Sinn ergibt das keinen solchen.

„Auf das Treppchen“ oder kurz „aufs Treppchen“ fahren ist die Lösung. Im übertragenen Wortsinn heißt das, Herr Marx hat durch seine fahrerischen Leistungen einen der ersten drei Plätze auf dem Siegerpodest erreicht. Genauer gesagt, er belegte den zweiten Platz beim Sigma Sport Bike Marathon in Neustadt an der Weinstraße.

Nachtrag vom 15.08.09:
In der online-Ausgabe des Reutlinger Wochenblattes heißt es korrekt „…aufs Treppchen“.

Written by fabulieren

13. August 2009 at 21:22

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VDI nachrichten Nr. 32 vom 7. August 2009 (2)

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Auch für die Kategorie „Schachtelsätze“ findet sich in der genannten Ausgabe der VDI nachrichten ein schönes Beispiel. Im Artikel „Solartechnik made in China…“ auf Seite 7 heißt es:

„Über 100 Solarzellenhersteller aus China […] hat nach Worten Wilhelm Vaaßens, Leiter des Solarprüfzentrums des TÜV Rheinland in Köln, der TÜV Rheinland zertifiziert.“

Das ist zwar noch einigermaßen lesbar, aber ungefähr genauso sinnvoll wie „Herr Huber, Chef der Firma XYZ, hat die Firma XYZ gegründet“.

Das Einfügen von zusätzlichen Informationen mittels einer Apposition („Leiter des…“) ist in den Printmedien eine gängige Vorgehensweise. Häufig jedoch entstehen dadurch zerklüftete Bandwurmsätze, deren Lesbarkeit stark eingeschränkt ist.
Im zitierten Beispiel wird noch zusätzlich durch die umgekehrte Reihenfolge der Satzglieder (erst Objekt, dann Subjekt) ein rascher Zugang zur Information erschwert. Vermutlich hat der Autor eine attraktive Eröffnung seines Artikels bewirken wollen, indem er mit einer großen Zahl beginnt: „Über 100 …“

Ein Vorschlag von mir, wie der Satz heißen könnte, ohne auf die gewünschte Eröffnung zu verzichten:

„Über 100 Solarzellenhersteller aus China […] wurden bereits vom TÜV Rheinland zertifiziert. Dies bestätigt Wilhelm Vaaßen, Leiter des Solarprüfzentrums des TÜV Rheinland in Köln.“

Hierbei habe ich genauso viele Wörter verwendet wie im Originalzitat vorhanden sind – abgesehen vom Wort „bereits“, das ich hinzugefügt habe, weil es hier sinnvoll erscheint.

Written by fabulieren

9. August 2009 at 09:56

Veröffentlicht in Schachtelsätze